3 Tage Delhi

Nach langer Zeit gibt es mal wieder einen Bericht aus Indien. Ja ich weiß, da kam lange nichts. Aber in den letzten zwei Monaten gab es so viel zu tun, mit Arbeit, Planung und Feiertag-functions. Das hier ist jetzt mal ein Throwbackartikel über eine Hochzeit auf der ich im November eingeladen war.

Mein 5. Monat hier in Indien geht nun schon zur Neige, gestern war Bergfest und es fühlt sich wirklich noch immer so an als wäre ich letzte Woche erst angekommen. Es ist so viel passiert, die Zeit vergeht so rasend, das ist unglaublich.

Im November also sind einige andere Freiwillige mit mir nach Delhi zu der Hochzeit der Schwester von Vikas, einem Inder den wir im Süden kennengelernt haben geflogen.


Tag 1

Wir kommen also in Delhi an, kämpfen uns aus einem der größten Airports der Welt und stellen als erstes fest, dass die Nachrichten über die extreme Luftverschmutzung in Delhi so was von gerechtfertigt waren. Es ging einfach überhaupt gar nicht mehr. Man konnte vielleicht 20 Meter klar sehen, die Sonne war nur schemenhaft zu erkennen, und nachts war es als würde man durch Nebel fahren. Hat man sich die Nase geputzt war das Taschentuch danach schwarz, man hat sich am Morgen gefühlt als hätte man am Abend zuvor eine Schachtel Zigaretten geraucht und bei körperlicher Aktivität hat man sich wie auf 2000 Höhenmetern gefühlt. Nichts desto trotz waren wir froh endlich in Delhi angekommen zu sein.
Die Schwester von Vikas würde 3 Tage nach unserer Ankunft in einem Ort etwas nördlich von Delhi Heiraten, und bis dato warteten noch eine Menge Zeremonien auf uns.

Als wir nach einer sehr sehr anstrengenden Anreise mit 12 stunden Wartezeit am Flughafen ankamen wurden wir direkt zu dem Haus der Braut gefahren, wo es zuerst einmal etwas zu essen gab.
Wir hatten alle einen Riesenhunger und waren alle sehr erschöpft von der Reise, so dauerte das Essen doch sehr lange und wir waren den ganzen Abend eher zurückhaltend.
Trotzdem fingen wir mit dem laufe der Zeit an uns mit den anfangs noch sehr schüchternen Familienmitgliedern zu Unterhalten, erzählten von unserer Arbeit, unseren Erfahrungen und unterhielten uns einfach über unser Leben in Indien. Nach einiger Zeit fingen die Gäste dann an eine Fläche zwischen allen freizuräumen um mit der abendlichen Tanz-Session anzufangen. Wir waren zuerst etwas eingeschüchtert müde und sehr voll vom guten essen, sodass wir uns zunächst zurückhielten und nicht mit einstiegen. Später wurden dann noch die großen Boxen aufgebaut und es wurde etwas hemmungsloser getanzt. Nicht im Sinne von vulgären Tanzschritten, sondern insofern, als dass man den Indern beim Tanzen ansieht, das sie sich keine Gedanken darüber machen wie sie dabei aussehen und einfach nur ihre Fröhlichkeit und Emotionen ausdrücken, was ihnen auch ausgesprochen gut gelingt. Eine sehr belebende Abwechslung zu dem was die meisten jungen Menschen in Deutschland Tanzen nennen wo sich dann etwas schüchtern zu dem Takt der Musik bewegt wird. Hier wurde eskaliert! Aber wir waren noch nicht wirklich dabei. Und dann…

Dann wurde der Abend spontan abgebrochen, weil es hieß, dass in einer Halben stunde Nebel aufkommen würde und alle packten, fast schon in Panik die Sachen innerhalb von weniger als 10 min zusammen. Wir stehen dazwischen und fühlen uns wie im falschen Film. Wenn in Indien spontan etwas gemacht wird und es dann auch wirklich direkt passiert, ohne dass noch mindestens 15 Minuten darum herumgeredet wird, dann muss schon einiges auf dem Spiel stehen. Also etwas verängstigt aber auch sehr verwundert, steigen wir ins Auto, fahren auf den Highway, fahren rasend schnell die Halbe stunde zu unserem Hotel, nur um direkt in den Nebel zu fahren. Und was das für ein Nebel war. Man konnte nicht mal mehr die Motorhaube sehen und wir sind gefühlt eine Stunde mehr, mit Warnblinkern an, im Schritttempo die befahrenste Straße Indiens entlang gefahren.

Tag 2

Am morgen kommt der Bruder der Braut erst einmal 4 Stunden zu spät. Wir beruhigt. Indische Mentalität ist back. Alles ist in Ordnung, nichts passiert. Alle sind am Vortag heil nach hause gekommen.

Heute ist Henna Session. Für uns Jungs ist das relativ langweilig, da dieser Tag eigentlich zum Vergnügen der Braut dient, an dem sie bis zum Abend mit Henna bemalt wird, an dem sie beim tanzen mit spenden und kleinen Geldgeschenken beglückt wird, und an dem am Abend dann noch mit allen eine kleine Party im Haus der Eltern gefeiert wird.

Wir Jungs hatten aber nichts dagegen nur in die Zuschauerrolle zu schlüpfen. Mittlerweile verstanden wir uns ein bisschen besser mit den anderen Familienmitgliedern, sodass und nicht langweilig wurde und wir immer jemanden fragen konnten wenn wir etwas nicht verstanden. Der zentrale Part der Henna Session war glaube ich, der in dem die Arme und Füße der Braut komplett mit Henna bedeckt wurden. In den Mustern wurden die Buchstaben des Namens des Bräutigams versteckt, welcher jeden einzelnen davon zu finden hat, oder ein Geschenk für jeden nicht gefundenen Buchstaben zu besorgen hat.

Einmal mussten wir die Veranstaltung verlassen, da es anscheinend eine Art Tradition ist, dass sich die Frauen alle zusammen über Männer im allgemeinen lustig machen. Mehr habe ich davon aber auch nicht verstanden. Ich war ja nicht dabei. Danach wurden wieder die boxen vom Vortag aufgebaut. Die Männlichen Mitglieder der Familie kamen von der Party des Bräutigams zurück und es wurde wieder getanzt. Das war glaube ich mit Abstand der schönste Abend auf der Hochzeit, da dieser 1. nicht spontan abgebrochen wurde, und 2. wir an dem Abend so herzlich von der Familie der Braut behandelt wurden. Wir sprachen mit den älteren Familienmitgliedern, den Eltern, der Braut und den Onkels und Tanten, von denen einer sogar an dem Abend Geburtstag hatte wodurch es nocheinmal ein gutes Stück schöner wurde. Es wurde getanzt gefeiert und alle waren glücklich. Ach und natürlich gab es zu unserem Glück den ganzen Tag essen und Chai.

Ich glaube was wir da erlebt haben war eine Art Hinduistischer Junggesellenenabschied

Tag 3

Endlich der Tag der Hochzeit. Anders als die Tage zuvor beginnt die Zeremonie erst im Abend. Also Machen wir uns schick, und fahren am Abend zum Haus der Braut, wo den Mädchen in ihre Saris geholfen wird, während die Jungs noch etwas zu essen bekommen. Dann geht es so circa um 8 zu einer riesigen eingezäunten Wiese auf der die Zeremonie stattfinden soll.
Zunächst ist nur die Braut da. ca 500 Besucher tummeln sich an verschiedenen ständen mit Essen, Getränken und Hookas (Nordindische traditionelle Wasserpfeife) wo geredet, gequatscht und den Eltern der Braut gratuliert wird. Zwischen 10 und 11 kam der Bräutigam, mit viel Aufmerksamkeit und Feuerwerk, um sich, von der Braut empfangen, mit ihr an seiner Seite auf ein Podium zu begeben, auf dem beide ungefähr 15 Minuten verharrten, um fotografiert, zu werden, von allen Seiten mit Blumen und glitzerndem Zeug beworfen zu werden und um sich gegenseitig jeweils eine Blumenkette um den Hals zu hängen.

Dann… Ja dann sind so ca. 80 % der Gäste gegangen. Aber vorbei war die Hochzeit noch nicht.
Es wurde sich nach ungefähr einer stunde in einen Pavillon gesetzt, wo der Braut und dem Bräutigam von einem Priester vor einem Feuer von der Ehe erzählt wurde. Das Paar musste sich (ich glaube) 7 Versprechen geben, und zu einem jeden dieser Versprechen gehörte eine Auf- und Erklärung durch den Priester und eine Runde um das Feuer. Das Dauerte mit einigen Pausen dann noch bis ca. 4 Uhr Morgens. Nach dieser Zeremonie fuhren die Braut und ihr nun Ehemann zusammen zum Haus des Bräutigams, wo die Frau die Nacht verbracht hat.

Wir folgten dem Beispiel und fuhren auch zurück ins Hotel, wo Vikas mit uns anfing die Hochzeit seiner Schwester in einem etwas privateren Rahmen zu feiern.

Wir haben es zwar nicht mitbekommen, aber am Tag nach der Hochzeit wird die Braut noch einmal zum Haus der Eltern gebracht, um dort ihren letzten Tag zu verbringen, um dann Abends von ihrem Bruder in ihr neues Zuhause gefahren zu werden.

Das war unsere 3tägige Hochzeitserfahrung in Delhi, die wir sehr genossen, und die uns Freiwillige sehr zusammengeschweisst hat. Vielen dank an Vikas und seine Familie für die Möglichkeit diese Erfahrung zu machen.

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