Das DEED

  Heylo,
wie gehts denn so. Tut mir furchtbar leid, dass jetzt schon wieder so lange kein Bericht kam. Ich hab diesen schon vor einiger Zeit geschrieben und hatte gedacht ich hätte diesen schon hochgeladen.
Jap. Hab ich anscheinend nicht, aber deshalb gibt es den jetzt.

Mal kurz als Einleitung eine Erzählung wie wir hier Holi gefeiert haben.
Man denkt ja, Indien. Das Land der Farben, in dem Holi geboren wurde.
Ja wie wird das hier so gefeiert.
Ja genau. In meiner Stadt, Mysore, eigentlich nicht wirklich…

Holi ist in Indien 5 Tage lang, wird aber im Süden fast nicht zelebriert. Da fällt mir ein, Holi wird nicht zelebriert, es wird gespielt!
Wir waren froh, dass wir am 2. Tag des Festivals eine Location in Mysore gefunden haben an der Holi wenigstens wie in Deutschland, gefeiert wird. Na gut, es gibt einige Unterschiede aber es war alles in allem sehr schön. Das beste ist einfach, dass die Inder immer und überall was das Tanzen angeht viel ausgelassener und verrückter als in Deutschland. Das ist so toll !!! Auf jeden Fall: Es ist deutlich mehr eskaliert, heißt es wurde sich auf den Boden, in den Schlamm geworfen, darin gewälzt herumgesprungen, getanzt und außerdem wurde die Farbe auch mit Wasser gemischt, so dass man auch auf jeden Fall bis in die letzte Klamottenschicht hinein Bunt ist.
Aber an sich war es jetzt nichts besonderes oder zumindest nicht anders als man es in Deutschland hätte erleben können…

…weswegen ich mit zwei Freunden danach noch in eine Stadt, welche traditionell etwas tiefer verankert ist als Mysore, gefahren bin um dort vielleicht Holi auch noch etwas „Indischer“ zu erleben. Wir kommen also am morgen in der Stadt, Kundapur an, bemerken aber nichts was sich von dem gewöhnlichen Treiben in den Indischen Städten abheben würde. Also fahren wir erst einmal, schon etwas enttäuscht, zu unserer Bleibe, um unsere Sachen loszuwerden, zu frühstücken und etwas Schlaf nachzuholen.
Ein ausgiebiges Frühstück, eine Dusche und zwei/drei Stunden Schlaf später fahren wir wieder zurück in die Stadt und wurden von den Festivitäten doch schon sehr Positiv überrascht.
Ich kann hier nur von meinen Beobachtungen sprechen, doch als wir ankamen war so ziemlich jeder der Menschen um uns herum voller Farbe, patschnass und am tanzen. Wie sich dann herausstellte waren wir genau in einem der Holizüge, welche an diesem Tag durch die Stadt laufen würden gelandet.
So wie ich das verstanden habe gab es eine Art Teams, die sich durch Identische Tshirtfarben auszeichneten. Diese Teams versuchen nun möglichst die Spieler aus den anderen Teams mit Farben, Wasser, oder allem möglichen Zeug möglichst dreckig und natürlich auch bunt zu Gestalten. Aus diesen Wandelnden, herumtanzenden, einfach nur Freude und gute Laune ausstrahlenden Kunstwerken setzt sich dann eine riesige Traube von Menschen zusammen die hinter einem Wagen mit sehr großen Lautsprechern, aus denen indische Musik Dröhnt hinterherlaufen. Von diesen Menschentrauben bewegen sich dann ein paar mehr durch die Straßen und Färben die Stadt ein, wie ein Pinsel welcher unregelmäßige Zickzacklinien auf eine Landkarte malt.

Aber genug zu Holi. Was gibt es hier Neues?
Es wird heiß… Richtig heiß…So heiß, dass die Schulen für 2 Monate ihre Tore schließen, was bedeutet dass es keine Arbeit mehr für uns gibt. Naja zumindest nicht in unserem Projekt. Daher werden alle Freiwilligen, deren Projekte im Sommer schließen in sogenannte Summercamps gesteckt, die sich eigentlich nicht von den regulären Freiwilligenprojekten unterscheiden, aber einfach nur geöffnet sind. Ich bin mit zwei von meinen Freunden jetzt ins “DEED office“ versetzt worden, wo wir eigentlich immer noch dasselbe machen wie bisher. Wir unterrichten.
Wir hatten uns eigentlich gefreut mal 2 Monate etwas Abwechslung von dem “regular teaching“ zu bekommen, da dieses zum einen (zumindest in der Grundschule) sehr anstrengend ist und zum anderen an Abwechslung eigentlich nie etwas falsch ist oder?
Daher waren wir zunächst etwas enttäuscht als wir erfuhren dass wir weiterhin unterrichten würden. Diese Enttäuschung legte sich aber sehr schnell als wir bemerkten, dass diese Geschichte hier eine komplett andere würde als das Unterrichten in einer normalen Indischen Grundschule.

Das DEED ist eine Organisation, die sich damit beschäftigt die Tribal communities
(Die Stammesgesellschaften), welche hier in der Gegend von der Regierung aus den Wäldern geholt und in separate Kommunen gesteckt wurden, mehr in die Gesellschaft einzubringen, indem den Tribal people einfaches Handwerk beigebracht wird, wie zum Beispiel das Nähen, Fahren oder auch das Arbeiten mit einem Computer. Außerdem bietet das DEED noch Unterrichtsmöglichkeiten für School dropouts aus allen Altersstufen und fungiert hierbei ähnlich wie ein Internat. Die Schüler sind aber ja im Moment sowieso in den Ferien…
Was tun wir also? Wir unterrichten nun die Fahrschul, Nähkurs und Computerklassen Schüler in einfachem Englisch. An sich war das ja auch dass was wir vorher an den anderen Schulen gemacht haben, nur dass unsere Schüler im DEED ca. 20 Jahre älter sind als diejenigen die wir vorher hatten. Diese sind ruhig und wollen auch wirklich lernen.
Es macht unglaublich viel Spaß diese hier zu unterrichten, dass wir nach dem Sommer am liebsten nicht zurück in die ursprünglichen Projekte würden. Es ist wirklich einfach nur der Hammer!!!
Also gehen wir nun jeden Tag um 9:30 ins DEED und unterrichten dort die 15 Schüler pro klasse bis wir um 4 Uhr wieder nach hause gehen, um Unterricht vorzubereiten, irgendwelche Sachen zu machen oder einfach nur den Tag zu Genießen.

Ich denke ich mache hier mal einen Punkt. Ich hoffe ich konnte euch noch einige schöne Eindrücke verschaffen.Ich hoffe euch geht es allen gut und ihr genießt das kommen des Sommers.

Hier sind es irgendwas zwischen 35 und 45 Grad und man freut sich schon auf etwas kühleres Wetter in Deutschland.

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Neues aus Indien

So people… lange nichts mehr von der Indien-Front. Ändere ich das mal.

Mehr als ein halbes Jahr lebe ich hier nun schon. Viel gelernt ich habe (Tanx Broda), viele Eindrücke wurden gesammelt, viel erlebt und auch wenn ich auch nicht über alles erlebte hier unterrichten kann hoffe ich doch ich konnte bis jetzt einen Eindruck davon verschaffen was ich hier so tue. Man hört immer das etwas wie ein Jahr in Indien jemanden sehr verändert, einen reifer und erwachsener werden lässt und man anfängt die Welt mit anderen Augen zu sehen.

Hab ich mich verändert?

Ich würde sagen schon… „Neues aus Indien“ weiterlesen

3 Tage Delhi

Nach langer Zeit gibt es mal wieder einen Bericht aus Indien. Ja ich weiß, da kam lange nichts. Aber in den letzten zwei Monaten gab es so viel zu tun, mit Arbeit, Planung und Feiertag-functions. Das hier ist jetzt mal ein Throwbackartikel über eine Hochzeit auf der ich im November eingeladen war.

Mein 5. Monat hier in Indien geht nun schon zur Neige, gestern war Bergfest und es fühlt sich wirklich noch immer so an als wäre ich letzte Woche erst angekommen. Es ist so viel passiert, die Zeit vergeht so rasend, das ist unglaublich.

Im November also sind einige andere Freiwillige mit mir nach Delhi zu der Hochzeit der Schwester von Vikas, einem Inder den wir im Süden kennengelernt haben geflogen.

„3 Tage Delhi“ weiterlesen

Alltag in einem fremden Kosmos

8:30 aufstehen, duschen, anziehen, zu spät frühstücken, Hemdkragen richten und los zur Schule.

So sieht der dann doch sehr hektische Morgen von Julian, meinem mit aus Deutschland eingereisten Gastbruder und mir aus. Nachdem wir am morgen das Haus verlassen haben gehen wir beide schweigend, mit Kabelmusik in den Ohren unsere Straße hinunter in Richtung des Foodbazars, einem kleinen Supermarkt auf unserem Weg in Richtung Schule. Dort wird Proviant für das alltägliche Abenteuer gemausert. Hauptsächlich handelt es sich hierbei um Kekse, unsere Hauptnahrungsquelle für den kleinen Hunger zwischendurch, doch gelegentlich auch mal Snickers oder eine kleine Tafel Schokolade. Nachdem wir ausreichend eingedeckt den Foodbazar wieder verlassen begeben wir uns in Richtung Straße von wo aus uns die Riksha Fahrer aufgrund der Kontinuität unserer morgentlichen Routine schon zuwinken und „ Sri Chayadevi school. 30 rupees“ entgegenrufen. „Alltag in einem fremden Kosmos“ weiterlesen

Zeit der Lagerfeuer und der Sagen…

Dort ist noch die Zeit der Lagerfeuer und der Sagen…
Ich denke mal, dass jeder der grade diesen Artikel ließt weiss von wem dieser Satz stammt und in welchem Kontext dieser aufgeht.
„Dort ist noch die Zeit der Lagerfeuer und der Sagen.“ So erzählt der ältere, Jonathan Löwenherz dem jüngeren Bruder Karl, alias Krümel Löwenherz, sowohl das erste Mal von einem Leben nach dem Tod, als auch ein zweites mal von einem noch friedlicheren Dasein nachdem man im Jenseits, in Nangiala, verschieden sei.
„Zeit der Lagerfeuer und der Sagen…“ weiterlesen

Yellarigu Swaatantra Dinada Shubhashayagalu

15th of August:

A happy Independence Day!!

Hier in wird der 70. jahrestag der Unabhängigkeit Indiens groß gefeiert. Die Straßen sind voller Menschen, ja noch mehr als sonst, jeder trägt das Hemd in der Hose, die meisten Geschäfte sind geschlossen und die passendste Metapher um den Straßenverkehr zu beschreiben wäre wohl ein Elefant, der sich versuch durch eine Haustür zu quetschen.
Indien am Limit.

Heute morgen mussten wir zur Vorbereitung der Feiertagszeremonie um 7:30 Uhr in der Schule sein. Dass heißt, um 6:00 Uhr (ca. 2:30 deutsche Zeit) aufstehen was, mit dem mir immer noch etwas innewohnenden Jetlag, eine ganz schöne Tortur ist.
Nun meine ich nicht dass wir gefahren sind wenn ich sage das wir uns wie gerädert die Straße hinunterbewegt haben, bis wir endlich in der Schule angekommen waren und feststellen mussten, dass noch so gut wie niemand da war. Nach 45-75 min trudelten dann immer mehr Schüler und auch Lehrer ein. Die indische Mentalität hatte uns mal wieder unnötig um unseren Schlaf gebracht. Hier passiert fast alles ca. 30-60 Minuten später als verabredet. Ob ich mich daran wohl gewöhnen werde? „Yellarigu Swaatantra Dinada Shubhashayagalu“ weiterlesen